Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 47/07 vom 21.11.2007

Franz Schuh interviewte Peter Huemer zu dessen Abschied vom "Club 2" und stellte dem Gespräch eine tiefsinnige Einleitung auf der Titelseite voran: "Die leichtsinnig-melancholische Sanierung des Staatswesens zu einer Art Liquidationsmasse, die irgendwer schon wird haben wollen, schreitet voran. Deshalb kann man es auch verstehen, wenn einige gutmeinende im Lande eine Fernsehsendung, den, Club 2', heroisieren. Tatsächlich konnten die Österreicher zu später Stunde sehen, wie ein paar Leute ihre Argumente aneinander erproben, wie sie sich etwas denken und wie sie für ihre Gedanken einstehen, zumindest rhetorisch. Wie zufällig fällt der Verfall dieser Sendung mit der Verabschiedung ihres bisherigen Leiters Dr. Peter Huemer zusammen."

Schuh fragte den Leiter, wie er diese Zeit erlebt habe. Huemer bemerkte, "dass Öffentlichkeit hier viel weniger bewirkt als anderswo. Einer der Gründe, warum es kein funktionierendes, Club 2'-Modell in der Bundesrepublik gegeben hat, liegt meines Erachtens darin, dass solche Geschichten dort wesentlich brisanter sind. Die Sendung würde man dort einfach ernster nehmen in ihrem öffentlichen und gesellschaftlichen Feedback. Bei uns war es gelegentlich ein fulminantes Toben in der Gummizelle, und viel mehr konnte es im Großen und Ganzen nicht sein. Das ist aber nicht unwichtig. Zunächst einmal stellt es einen unverzichtbaren Anspruch auf Öffentlichkeit und auf Medienfreiheit her, auf die freie Auseinandersetzung. Gesellschaftliche Prozesse haben sich im, Club 2' widergespiegelt und sind ihrerseits zurückgespiegelt worden, also das ist ja nicht nix! (…) Dann gibt es neben der gesellschaftlichen Wirkung noch eine individuelle, die ich nicht hochmütig vernachlässigen würde! Die Tatsache, dass jemand seinen Konflikt widergespiegelt findet, bringt ihm unter Umständen individuelle Erleichterung, und das ist auch was. Er ist so weniger allein." A. T.


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