Standpunkt

Arigonas Wert

Politik | aus FALTER 47/07 vom 21.11.2007

Was wäre es Innenminister Günther Platter wert, den Namen "Arigona " aus der Öffentlichkeit wegzuradieren? Einen Namen, der zur Chiffre geworden ist - nicht nur für eine breite Migrationsdebatte, sondern für den Zustandsbefund der ÖVP. Was wäre es Platter wert? 30.000 Euro? Diese Summe wurde Nurie Zogaj, Arigonas Mutter, nun vom Verein Menschenrechte, der dem Innenministerium nahesteht, in Aussicht gestellt. Die kolportierte Gegenleistung: zurück in den Kosovo. Wo sechzig Prozent Arbeitslosigkeit herrschen und der Durchschnittslohn 200 Euro beträgt. Dort ist das viel Geld. Zogaj lehnte ab. Dabei ist die Idee, abgewiesene Wirtschaftsflüchtlinge finanziell auszustatten, durchaus überlegenswert. Gesellschaften, die von Emigration betroffen sind, leiden einerseits an chronischem Brain-Drain, an der Abwanderung (aus-)gebildeter, junger Bürger. Andererseits drängt der Schuldenberg, den die Flucht verursacht, viele Asylwerber in die Kriminalität. Es ist ohne Zweifel eine komplizierte Rechnung: Wie soll man Betroffene von abermaliger Emigration abhalten? Wie verhindern, dass der Staat für Schlepper zum Schlaraffenland wird? Und auch der Krone müsste man das erst einmal erklären. Im konkreten Fall scheint es aber ohnehin nicht darum zu gehen, Asyl- und Entwicklungspolitik weiterzudenken. Eher sieht es nach dem Versuch aus, einen Namen zum Verschwinden zu bringen. S. A.


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