Fragen Sie Frau Andrea

Baggersprech

Stadtleben | aus FALTER 47/07 vom 21.11.2007

Liebe Frau Andrea,

im "Falter" ist neulich der Begriff "braten" im Kontext der Geschlechterbegegnung verwendet worden. Dabei würde man dieses Wort doch eher im Bereich des Kochens vermuten. Intersexuelle Molekülbeschleunigung mit Erhöhung der Körpertemperatur? Und was ist eigentlich der Unterschied zum "flirten" und der "Anmache", die bei unseren deutschen Nachbarn öfters in den Mund genommen werden? Mit freundlichen Grüßen,

Gerhard Glattauer, per Mail

Lieber Gerhard,

unsere Sprache hält ein gutbestücktes Arsenal an Ausdrücken für das Einfädeln sexueller Beziehungen bereit. Die Länge der beabsichtigten Unternehmung spielt dabei eine kleinere Rolle als die Art: Soll es was Flüchtiges sein oder was Festeres? Grundsätzlich muss aber jeder Lebensabschnittspartner überhaupt mal erobert (oder abgeholt) werden. Und dafür haben sich, je nach rhetorischer Begabung der Beteiligten und abhängig von ihrem sozialen Milieu, Begriffe aus der Küchensprache und aus dem Bergbau etabliert. Die Gastrofraktion haut das Objekt der Begierde gerne in die Pfanne, macht es an wie einen Salat, zwickt es auf wie eine Auster, reißt es auf wie eine Packung Kekse und brät das Entrecote der Begierde je nach Lusthunger kurz an oder länger durch. Wer sich mit großem Spielzeug besser zurechtfindet, greift zu Ausdrücken aus der Erdbewegung. Hier wird angegraben wie beim Künetten- und Brunnenbau oder gebaggert wie an der Halde und am Damm. Das Flirten, das mit dem Flattern verwandt ist, möchte die eine oder andere Bestäubung leiden, wird aber auf der Piste nur mehr selten gesehen.


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