Generation Jirí

Joseph Gepp | Stadtleben | aus FALTER 47/07 vom 21.11.2007

STADTMENSCH Das kommunistische Regime zwang einen Tschechen zur Flucht nach Wien. Dort gründete er vor zwanzig Jahren das Nachtasyl.

Er wartete mit der Flucht solange, bis er es nicht mehr aushielt. Jirí Chmel, 53, Besitzer des Kellerlokals "Nachtasyl" in Wien-Mariahilf, nippt an seinem kleinen Pilsner und erzählt vom tschechoslowakischen Staatsicherheitsdienst StB: "Sie haben mir meinen Reisepass weggenommen, meinen Freunden die Führerscheine entzogen und die Telefone abgedreht. Meiner Schwiegermutter, einer Schauspielerin, haben sie Auftrittsverbot auferlegt. Dann haben sie gesagt, dass sie mich ins Gefängnis stecken werden, wenn ich nicht kooperiere." Das war im Jahr 1979. Zwei Jahre zuvor hatte Chmel als einer von wenigen Hundert die Charta 77 unterzeichnet, die berühmte Petition tschechoslowakischer Oppositioneller gegen die Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes. Von da an wurde er immer wieder verhört, bedroht und eingesperrt. "Zu meinen Prozessen durfte ich

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