Stadtrand

Synchron schlenkern

Stadtleben | aus FALTER 48/07 vom 28.11.2007

Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass die orangen Halteschlingen an den Decken der U-Bahn-Wägen immer synchron schlenkern? Nur wenn sich die U-Bahn-Tür öffnet und der Wind von draußen die Ordnung stört, dann kommt die eine oder andere Unregelmäßigkeit in den perfekt choreografierten Gleichschritt. Wenn sie dann aber schließt und der Zug beschleunigt, beginnt die Reihe ihren wagenlangen Cancan. Allerdings: Pro Waggon finden sich immer ein bis zwei Griffe, die sich der Konformität widersetzen. Wenn alle nach rechts schlenkern, schlenkern sie nach links; wenn alle den tiefstmöglichen Punkt ihrer Bewegung erreichen, erreichen sie den höchstmöglichen. Liegt das an der Reibung? Kleine schmieröldunkle Halterungen verbinden den Griff mit der Decke. Werden sie nicht alle gleichermaßen eingeölt? Schwer vorstellbar, dass die perfide Absicht eines anarchistisch veranlagten U-Bahn-Mitarbeiters dahintersteckt. Wahrscheinlich ist es Chaostheorie: Bei der Vielzahl der möglichen Ausgangsbedingungen lässt sich nicht mehr sagen, wie das Ausscheren des Einzelnen zustande kommt. J. G.


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