hundert jahrezeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 48/07 vom 28.11.2007

Winter und Genetik

Werden im Winter in geschlossenen Verkehrsmitteln warme Speisen verzehrt, so ist das ein guter Grund, seinem Gegenüber einen Kropf an den Hals zu wünschen. Gerade in der Steiermark sollte man damit vorsichtig sein, denn so ein Kropf ist kein Spaß und hierzulande möglicherweise ohnehin genetisch verankert, man muss es so deutlich sagen: Die Steiermark ist ein klassisches Kropfland. Die erste bildliche Darstellung einer solchen Erscheinung wurde 1215 am Stift Rein bei Graz angefertigt. Sebastian Münster berichtet 1530 über Frauen in der Steiermark, die ihre großen Kröpfe vor dem Stillen über den Rücken zurückschlagen mussten. 1923 wurde eine ministerielle Empfehlung abgegeben, nur mit Jod angereichertes Salz zu verkaufen, was die Kropfrate sofort sinken ließ. Der Verkauf wurde aber 1938 wieder eingestellt, die Kröpfe schossen wieder ins Kraut wie die Schwammerl im Frühling, so dass 1944 für die Gaue Oberdonau, Salzburg, Kärnten, Tirol-Vorarlberg allgemeine Jodprophylaxe eingeführt wurde. Steirische Kröpfe prägten das öffentliche Bild, bis 1963 endlich das Bundesgesetz über den Verkehr mit Salz eingeführt wurde - Jod für alle. Nicht nur der Verkehr mit Salz ist übrigens gesetzlich halbwegs geregelt, sondern auch der Verkehr mit Tieren. In Dänemark ist das anders, deswegen gibt es dort Tierbordelle, die von ganz Europa aus frequentiert werden. Man muss sich nur informieren.


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