Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 49/07 vom 05.12.2007

Die Indizien deuteten auf Krise. So entfiel "die ursprünglich an dieser Stelle vorgesehene Fortsetzung der profil-Konflikt-Geschichte" "aus produktionstechnischen Gründen", der Kommentar auf der Titelseite wies keinen Autor aus, über die Wiener Gemeinderatswahlen erfuhr man nur in Andeutungen, dass es sich um ein Debakel der Grünen gehandelt haben musste, im Editorial von Chefredakteur Jäger las man dafür unter dem Titel "Falter, ade?" Ominöses:

"Weil schlechte Nachrede nicht dadurch erträglicher wird, dass sie auf falschen Vermutungen basiert, ein paar Zeilen zur Frage: Was macht das Blatt in Ihrer Hand? Oder: Wie geht es uns heute? Vielleicht haben Sie ohnehin schon davon gehört, oder Sie haben darüber gesprochen, dass jemand gehört haben will, wie einer gesagt hat, dass er mit jemandem über Sie gesprochen hat, weil Sie vielleicht etwas wissen, das andere noch nicht gehört haben, obwohl sie darüber reden. Jedenfalls nicht besonders. Das hat viele, u. a. ökonomische Gründe, über die hier zu reden nicht der rechte Ort ist. Nur so viel: Die Falter Verlags-Ges.m.b.H. ist in den letzten eineinhalb Jahren so schnell gewachsen, dass wir Ende des Sommers fast eingegangen wären. Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass es dazu nicht gekommen ist. Nun gilt es, Maßnahmen zu setzen, Vorkehrungen zu treffen, um die Schnalle enger zu gurten."

Ja, da steckten wir ziemlich tief drin, und der Text tat sich nicht viel Zwang an, die Stimmung schönzureden. Die Krise führte zu einer richtigen Spaltung zwischen Redaktion und Verlag. Trotzdem war im Falter alles Wichtige drin. Den Schlusspunkt setzte Tex Rubinowitz, dessen Wilbur in der Wüste seinem Bedürfnis nachging. Eine Ameise kommentierte das so: "Ein scheißender Schneemann in der Wüste, ein Schauspiel, das seinesgleichen sucht." "Bloß nichts überbewerten", antworteten die beiden anderen. A. T.


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