R.I.P.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 49/07 vom 05.12.2007

FOTOGRAFIE Christoph Linggs Ansichten von Industrieruinen des Ostens sind im Lepoldmuseum und in einem Buch zu bestaunen.

Mit dem Tod kommt das Grün, dicht überzieht es das neue Gelände, wie ein Virus, der sich im geschwächten Körper der Wirtschaft einnistet. Die leblosen Objekte verlieren nicht nur die staatlichen Subventionen, sie verlieren vielmehr die Möglichkeit, sich gegen den Tod aufzulehnen, der sich in der Kehle der Industrie verbeißt", schreibt der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan im Nachwort zu dem wunderbar gestalteten "Stillgelegt."

Das Buch versammelt - zwischen zwei rostigen Metallplatten als Buchdeckel - Fotos von Industrieruinen, die der Vorarlberger Christoph Lingg in den Jahren 2003 bis 2006 in 14 Ländern des Ostens gemacht hat: surreal anmutende Ansichten zerbröselnder Architekturen von anmutiger Abstraktheit und apokalyptischem Charme. Der didaktische Gedanke, dass man damit "künftige Generationen von Globalisierungsgegnern heranziehen kann" (Zhadan), lässt einen schauern, aber der Aura friedlicher Funktionslosigkeit, die diese Ästhetik des Kaputten auch verbreitet, kann man sich nur schwer entziehen.

Christoph Lingg: "Stillgelegt. Industrieruinen im Osten."

Ausstellung: Bis 7.1.2008 im Leopold Museum (MQ)

Buch: Mit Texten von Susanne Schaber, Richard Swartz und Serhij Zhadan. edition aufbruch, 164 S., 104 Bildtafeln, Kartonschuber. € 55,-


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