Zuhause bei Zogajs

Politik | Stefan Apfl / Kaliqan | aus FALTER 50/07 vom 12.12.2007

KOSOVO Arigona Zogaj will lieber sterben als zurück in den Kosovo. Warum eigentlich? Zu Besuch bei ihrer abgeschobenen Familie.

Die alte Frau liegt auf dem Boden, den Kopf nach unten gerichtet. Es ist kalt. Ihr flacher Atem nebelt in die Zimmerluft. Auf einem der Sofas schiebt sich ein Bubenkopf unter dicken, bunten Decken hervor. Als Alfred seine Großmutter bewusstlos daliegen sieht, springt er auf und zieht sie hoch. Sie stöhnt. "Ach", sagt Alfred und beißt sein Gähnen weg. "Das macht sie oft. Sie ist halt krank."

Der 16-Jährige zündet eine rote Marlboro an und blinzelt zum Fenster hinaus. Die Sonne steht hoch über dem Horizont, es muss später Vormittag sein. Die schiefhängende Wanduhr hat um fünf Uhr eins zu ticken aufgehört. Aber das ist Jahre her. Zeit spielt hier keine Rolle. "Jeda Tog", sagt Alfred in breitem Oberösterreichisch, "is ein fada Tog."

Rohbauten, schlammige Erdwege, Packesel, ein kleiner Dorfplatz, eine Moschee, ein mit Müll gesäumtes Bachbett, Männer mit


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