Stadtrand

U-Bahn-Fahndung

Stadtleben | aus FALTER 50/07 vom 12.12.2007

Nestroyplatz, U1-Station. Gerade ist ein Zug abgefertigt worden, die Fahrgäste strömen zum Ausgang. Oben erwartet sie eine Handvoll Kontrolleure. Seit einiger Zeit berechtigt sie ein OGH-Urteil, beim Festhalten von Schwarzfahrern "angemessene Gewalt" anzuwenden. In der Praxis läuft das offenbar so ab: Ein älterer Mann wird brüsk aufgefordert, seinen Fahrschein herzuzeigen. Dadurch eingeschüchtert bekommt er Angst, nestelt nervös in seiner Tasche, sucht panisch den Schein. Er spricht mit dem Kontrolleur respektvoll, fast devot. Ob er nun schwarzfährt oder nicht - Fluchtgefahr völlig ausgeschlossen! Doch der Kontrolleur schreit ihn an: Er brauche sich gar nicht einbilden, weglaufen zu können. Denn drüben stünden genauso Kontrolleure. "Stell dich nur blöd, und ich hol sofort die Polizei." Andere Fahrgäste drehen sich um, wundern sich über so viel Aggression bei einem so folgsamen Fahrgast. Je mehr der Schwarzkappler schreit, desto mehr fürchtet sich der alte Mann. Vielleicht sollten die Wiener Linien ihren Kontrolleuren ein wenig Einfühlungsvermögen beibringen. Denn was "angemessen" ist, hängt vor allem davon ab. J. G.


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