Fragen Sie Frau Andrea

Richtungswäsche

Stadtleben | aus FALTER 50/07 vom 12.12.2007

Liebe Frau Andrea,

schon des Längeren beschäftigt mich die Frage, wie es zur Wendung "von links waschen" gekommen ist. Vor allem, seit ich die wesentlich präzisere englische Fassung wahrgenommen habe: "turn inside out for washing". Wäre dafür nicht das Wörtchen "umgedreht" (oder "gewendet") zuständig? Ihnen fallen sicherlich noch elegantere Begriffe ein. Wieso hat sich "von rechts" nicht durchgesetzt? Wegen der mehrheitlich rechtshändigen Waschweiber? lch bitte um Auf- und Erhellung! (Oder war ich wieder einmal unaufmerksam?)

Mit freundlichen Grüßen,

Petra Kienel, per Kabelbrief

Liebe Petra,

die Ausdrücke links und rechts für das Innen und Außen eines Kleidungsstücks kommen aus der Warenkunde. So nennt sich die Lehre von den textilen Stoffen. Weil es - außer der Leinenbindung - kaum Webarten gibt, die beidseitig gleich aussehen, hat sich im deutschen Schneiderkunstvokabular und in der Waschwissenschaftsterminologie der Ausdruck "rechts" für die sichtbare, schöne, die rechte, richtige Seite und "links" für die optisch weniger ansprechende ausgebreitet. Von "links" zu waschen bedeutet also nach heutiger Wäscherlehre nichts anderes, als das Teil umgedreht durchs Bullauge der Waschmaschine zu werfen. Mir fielen viele elegante Wendungen ein, in denen "links" nicht vorkommt: "unrechts waschen", "gewendet reinnässen", "verkehrt waschmaschinieren", "unaußenkremplig sauberlaugen", "stoffinnenseitwendig tauchreinigen", "körperseitig seifspülen" und das doch etwas nautisch geratene "von Backbord entschmutzen".


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