Die Kleisterstadt

Christopher Wurmdobler | Stadtleben | aus FALTER 50/07 vom 12.12.2007

WERBUNG Ab 1. Jänner soll es in Wien keine Wildplakatiererei mehr geben. Zumindest stellen sich die Stadt und der Werberiese Gewista das so vor. Doch die Reklameflut im öffentlichen Raum ist komplexer.

Vormittags und nachmittags, zweimal täglich stehen die Türen von Peter Fuchs' Expedit in der Neubauer Bandgasse offen. Dann rückt eine Handvoll Menschen an und belädt Nachziehwagerln mit Pinseln, Kleisterkübeln, Kleisternachschub, Klebeband sowie einer Menge gerollter Plakate und schwärmt aus. Stromkästen, Leitungsmasten oder die Schaufenster leerstehender Geschäfte sind von jetzt an nicht mehr sicher vor den Wildplakatierern. Erst kleistern sie den Untergrund nass, dann kommt das Plakat drauf, wird zurechtgerückt, dann noch einmal Kleister drüber, damit auch alles gut hält. Biedere Schlagerkonzerte in der Stadthalle werden ebenso beworben wie Programme von Off-Theatern oder die Sammlung Leopold mit edlen Klimt-Postern. Plakate versprechen Präsenz, sind gut fürs Image und zeigen,

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