"Ich hatte Angst, erschossen zu werden"

Politik | aus FALTER 51/07 vom 19.12.2007

SCHENGEN Am 21. Dezember fallen die Grenzen, die einst den Eisernen Vorhang markierten. Acht Personen erzählen von ihren Grenzerfahrungen. Dokumentiert von STEFAN APFL

Im Kastenwagen

Ich lernte Gudrun in der Mittagspause kennen. Gudrun war zwanzig. Das war 1962. Um als Student ein wenig Geld zu verdienen, fuhr ich als Chauffeur und Messestandaushilfe einer Wiener Firma zur Leipziger Messe. Bei der Rückfahrt nahm ich Gudrun in unserem VW-Kastenwagen mit. Sie wollte nachhause, und das lag am Weg. Immer wieder sagte sie mir, wie gerne sie auch nach Österreich fahren würde. Sie könne ja anstatt des Kühlschranks mitfahren, scherzte ich. Bei der Transitabfertigung hatten die DDR-Zollbeamten in Leipzig die Kühlschrankkiste nämlich so primitiv verplombt, dass man leicht eine Seitenwand herabschrauben konnte, ohne die Plombe zu verletzen. Gudrun ging tatsächlich darauf ein. Ich hatte Zweifel, schließlich lockte mich das große Abenteuer. Den Kühlschrank luden wir bei Gudruns Eltern in Pirna


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