Kommentar

Charts & Co: die leidigen Listen

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 51/07 vom 19.12.2007

Viele Menschen lieben Listen. Viele Menschen hassen Listen. Beides geschieht oft aus den falschen Gründen. Ich möchte aber wetten, dass die Listenhasser (Lihas) öfter falsch liegen als die Listenliebhaber (Lilies). Mag sein, dass es unter den Lilies einen gewissen Prozentsatz ungefestigter Subjekte gibt, die an die höhere Verbindlichkeit von Charts und Bestenlisten glauben und ergo auch glauben, dass das alles wahr sei; ganz gewiss aber ist die Anzahl der Lihas, die das den Lilies einfach nur unterstellt, um einiges höher als die tatsächliche Zahl naiv-affirmativer Lilies, die die ihnen dargereichten Listen empfangen wie Moses die Zehn Gebote.

Seit einem gefühlten Vierteljahrhundert - in Wirklichkeit wird es wohl eher ein Jahrzehnt sein - gibt es das kulturkritische Lamento über den Niedergang genuiner Kritik, die einem mit Empfehlungsimperativen operierenden Häppchenjournalismus gewichen sei. Dieser würde sich in präventivem Gehorsam überhaupt nur mehr um marktgängige Artefakte


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