Ohren auf

Forever Free


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 51/07 vom 19.12.2007

Warum gibt es keinen Neo-Freejazz? Weil Freejazz eben nicht einfach ein historischer Stil ist, der sich zwischen Hard-Bop und Jazzrock ereignet hat, sondern weil er, wie der Kritiker Bert Noglik schreibt, "als schöpferische Methode des Musizierens überlebt hat". Mittlerweile verfügt er über eine eigene Geschichte, Mythologie und Systematik. Im Mai 1968 etwa wurde in Bremen ein Meilen-, wenn nicht gar der Grundstein des europäischen Free Jazz gelegt und zwar in einem Betonkeller mit entsprechender Akustik (für die beiden Drummer des Peter Brötzmann Octet baute man kleine Hütten aus Leinwand). "The Complete Machine Gun Sessions" (Atavistic/Trost) macht die lange Zeit vergriffenen Originalaufnahmen wieder zugänglich und ergänzt sie um Live-Mitschnitt und Alternate Takes. Die Aufnahmen, die nicht unwesentlich für Brötzmanns Ruf als martialischer deutscher Pickelhaubentröter verantwortlich sind, weisen nicht nur in Richtung eines lebensfreudig wütenden Berserkerturms, sondern umfassen

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