hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 51/07 vom 19.12.2007

Authentische, schonungslose Weihnachtssatire

Weihnachtsmannkostüm: Grüß dich, Johannes! Wie lang ist das jetzt her, dass ich der Geliebte deiner Mutter war, da warst du ja ... Du! Musst ja kurz vor der Matura sein, lass uns einen Glühwein beim Stand fürs Rote Kreuz trinken und den entfesselten Konsumrausch kritisieren! Johannes: Es ist mir wurscht, wie lange das her ist, und: Nein, ich habe längst mein Studium abgeschlossen und bin nur mal auf Heimaturlaub, um einen Christbaumständer für meine Mutter zu kaufen, die jetzt in zweiter Ehe sehr glücklich ist, einen heißen Glühwein aber würde ich nicht verachten! Aber warum dieser Aufzug? W: Geliebter Ex-Stiefsohn! Der Glaube fragt nicht nach dem Warum! Wie macht ihr's denn dieses Jahr? J:Wie machen wir was? W: Wie macht ihr's? Erst Eltern und Kirche und Jause und dann Stiefeltern und Freunde? Dass man nicht fortgehen kann, das ist ja heute nicht mehr so, Gott Lob! So wird die drückende Familienscheiße entschärft! J: Im Gegenteil! Ich liebe es, am Heiligen Abend die ganze Sippe beisammenzuhaben! Wir schenken uns die neuesten Gadgets sowie Nützliches für den bürgerlichen Haushalt und lesen das Matthäusevangelium! W: Schöner Brauch, auch wenn es von Fehlern wimmelt, Quirinus zum Beispiel war nie Statthalter von Syrien, und - J: Du! Tschüss dann. W: Lass mich dir zum Abschied über den Oberarm streichen! Und: Wenn es mal passt ... J: Freilich! Du!


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