Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 02/08 vom 09.01.2008

Ein neues Jahr, ein neuer Jahresband. Das elektronische Falter-Archiv beginnt im Jahr 1998. Bis dahin liegen zehn Jahre Foliantenfron vor mir, wenn ich mich nicht zwischendurch einmal entschließe, zehn Jahre zurückzuhüpfen.

Jedenfalls habe ich mir den dicken Band mit der Rückenaufschrift "1988" gesichert. Es war höchste Zeit, das gute Stück bedarf dringend einer buchbinderischen Behandlung. Der leinerne Rücken hängt lose herab, der hintere Einbanddeckel fiel herunter, als ich den Wälzer in die Hand nahm, und die ersten Ausgaben sind nur mehr in kopierter Form vorhanden.

Nichtsdestoweniger besticht der erste Falter des Jahres 1988 mit einem konstruktiven Vorschlag, wie das österreichische Leiden zu lösen wäre, das damals in Gestalt des Waldheim-Traumas auf dem Land lastete. Man führe die konstitutionelle Monarchie wieder ein, belasse Kurt Waldheim als eine Art Butler der Nation im Amt, hebe den Fremdenverkehr und das allgemeine Selbstbewusstsein, ohne damit die Demokratie abzuschaffen, solches und Ähnliches forderte ich in neujährlichem Übermut.

Antonio Fian beschrieb auf der nächsten Seite den Grund für solch verzweifelten Witz. Er reflektierte das Ansehen Österreichs mit einem Text, den er "Die Ignoranzmaschine" nannte.

"Und die Ignoranzmaschine? Sie nickt und klatscht und hat nicht zugehört. Denn wer zuhört, wer wissen will, was Österreich zu sagen hat, horcht unwillkürlich auf, wenn ihm zu Ohren kommt, dass die Frage der Arbeitslosen gelöst werden müsse. Er ruft im Büro des Bundespräsidenten an und erkundigt sich ängstlich, ob Waldheim auf Urlaub sei. Nein, nein, versichert aber der, ich bin hier,, ich erledige ganz normal die Arbeit des Bundespräsidenten'. Das ist gut so. Er soll hier sein. Er soll nie sterben. Solange er hier ist, droht keine Gefahr. Solange er hier ist, lässt man uns nicht aus den Augen." A. T.


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