Joy Division: Die Musik

Heart of Darkness

Kultur | aus FALTER 02/08 vom 09.01.2008

Wie so viele Bands ihrer Generation fanden Joy Division unter dem Eindruck der britischen Punkexplosion zusammen; musikalisch hatten sie mit der rotzigen Rock-'n'-Roll-Anarchie der Sex Pistols aber nichts gemein. Die 1978 veröffentlichte Debüt-EP "An Ideal for Living" war zwar noch vom Punk geprägt, das Zusammentreffen mit dem ebenso wirren wie visionären Produzenten Martin Hannett aber führte das Quartett um den charismatischen Sänger Ian Curtis schnell in andere künstlerische Regionen. Hannett arbeitete mit Vorläufern der Samplingtechnologie, verwendete splitterndes Glas als Klangquelle und verpasste Joy Division ihren verstörenden Eiszeitsound, der perfekt mit den hoffnungslosen Songtexten korrespondiert: Die Gitarre bleibt im Hintergrund; gestützt von einem oftmals entmenschlicht tönenden, teils fast discoiden Schlagzeug übernimmt der massive Bass die Melodieführung, und über alledem thront Curtis' unnahbare Stimme.

Joy Divisions Debüt "Unknown Pleasures" ist 1979 erschienen, ihr zweites und letztes Album, "Closer", im Jahr darauf. Einige Monate nach Curtis' Tod folgte "Still" mit unveröffentlichtem Studio- und Livematerial. Einige Singles und Sampler-Beiträge - 1988 zur Kompilation "Substance" zusammengefasst - komplettieren das schmale Werk der Band; darunter finden sich mit Songs wie "Transmission" und ihrem einzigen kommerziellen Hit "Love Will Tear Us Apart" einige von Joy Divisions besten Arbeiten. Die komplette Diskografie plus zuvor unveröffentlichte Liveaufnahmen ergab 1997 die CD-Box "Heart and Soul"; gegenwärtig liegen die Originalalben - auch auf Vinyl - wieder regulär vor.


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