Phettbergs Predigtdienst

Gescheitert? Niemals!

Stadtleben | aus FALTER 02/08 vom 09.01.2008

Auch ich hatte einmal Freude an Zimmerpflanzen. Und kaufte mir daher einen Ficus benjamini, eine Art Zimmerfeige. Ich goss sie nicht brav, und sie starb nach zehn Jahren. Nun, weitere zehn Jahre später, steht der Baum mit den letzten grauen Blättern auf meinem Fenster und verschandelt die ganze Gumpendorfer Straße. Oder schmückt sie? Sind wir also gescheitert? Der Baum und ich?

Seine vielen Äste, die immer mehr Blätter verloren, obwohl einige noch immer grau am Baum hängen, gefallen mir als Bild des Lebens. Wie die weiße Rose, die ich bei den Stadtlichtspielen Retz bekam. Dort wurde mein Film "Elender" genau vor einem Monat in Anwesenheit Kurt Palms vor allen anderen Kinos des Landes aufgeführt. Ein fescher Kerl aus Wien erschien. Er überreichte mir eine weiße Rose mit einem roten Tropfen daran. Und ich himmele diese nun den Rest meiner Tage an. Alle, alle unter mir gelittenen Zimmerpflanzen bewahre ich auf - in allen Aggregatzuständen! Ein Triumph des Nichtscheiterns. Die Menschheit dachte auf dem Holzweg, weil die Bäume aus den Wäldern zur Hitzegewinnung abgeholzt wurden. Und jetzt ist es schön warm am Globus, und bald, wenn wir den Globus abgewohnt haben werden, werden wir uns einen anderen Planeten suchen. Solange Planeten bewohnbar bleiben. Und wir werden nicht aufhören zu forschen. Bis wir alle, alle, alle in unzugänglichem Licht wohnen werden, wo auch Luzifer, der Lichtträger, wohnt, der Dornbusch, die Rose von Jericho und der Feigenbaum, der keine Früchte im Weinberg des Herrn mehr trug. Aber Jesus bittet, ihn nicht auszureißen. Der Feinfühligste unter uns? Oder war es Buddha? Egal, egal. Die Währinger Straße, wo im Wuk 1990 meine 17-tägige "ErotiKreativ" stattfand: Ichkontinuität für die Ichschwächsten! Damit niemand zurückbleibt auf dem Weg zum Licht, wie Peter Rosegger dichtete. Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es nun. Wir scheitern niemals, wir widerstehen! "Wohin schlägt das Baby?", frugen die Hebammen, die die Babys zuerst erblickten. Und wussten zuerst, ob es ein Bub oder ein Mädchen ist. Nichts ist auszurotten. Alles bleibt!

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige