Bollwerk Rathaus

Kultur | Herwig G. Höller | aus FALTER 03/08 vom 16.01.2008

NAZI-KUNST Auch siebzig Jahre nach dem Anschluss bleibt die "Stadt der Volkserhebung" in Graz lebendig. Mit einem Nazigemälde mitten im Rathaus.

Die offizielle Kunstkritik reagierte 1941 begeistert auf den gemalten Gobelin-Entwurf, den der Grafiker Heinz Reichenfelser gemeinsam mit dem Maler Hans Stockbauer gestaltet hatte. Als "Schmuckstück eines Saales im neugestalteten Rathaus" werde der Gobelin dienen, freute sich die Tagespost. Und das Bild erregte sogar in höchsten Nazi-Kreisen Aufsehen: "Das hervorragende Werk unserer Grazer Künstler fand bereits seine besondere Würdigung durch den Atelierbesuch des Reichsleiters Bouhler und des Gauleiters und Reichsstatthalters Dr. Uiberreither", schrieb die Tageszeitung. Der Besuch musste damals zweifelsohne als Auszeichnung gelten: Der Kanzleichef des Führers, SS-Obergruppenführer Phillipp Bouhler, war als Organisator Zehntausender Euthanasiemorde gerade zwischen 1939 und 1941 ein schwerbeschäftigter Mann.

Zur von den Nazis geplanten Neugestaltung


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