Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 03/08 vom 16.01.2008

Gesundheitsstadtrat Alois Stacher und Falter-Autor und Arzt Werner Vogt stritten miteinander vor Gericht, ob alle Patienten im Spital automatisch auf Aids untersucht werdern sollten, wie Stacher dies forderte, zum Schutz des Personals, wie er sagte. In Falter 3/1988 meldete sich daraufhin Reinhard Brandstätter, der erste Obmann der Wiener Aidshilfe, zu Wort und schrieb:

"Das medizinische Personal muss sich seiner Verantwortung für den humanen Umgang mit Kranken in unserer Gesellschaft bewusst sein. Es muss die Signalwirkung einer Maßnahme wie Routinetests zum (vermeintlichen) Schutz vor Ansteckung auf die Bevölkerung bedenken. Die Folgen könnten unabsehbar und verheerend sein. Welcher Durchschnittsbürger würde mit einem HIV-Positiven noch etwas zu tun haben wollen, wenn ja selbst die Ärzte …! Außerdem könnten dann mit gleicher Begründung und mit gleichem Recht die Patienten auf eine HIV-Untersuchung des sie behandelnden medizinischen Personals bestehen. Ärzte und Pflegepersonal würden dann die zweite Berufsgruppe nach den Prostituierten sein, die sich solchen Tests unterziehen müsste. Und das wäre ihnen wohl auch nicht recht!

Sicher bestehen auch unter dem medizinischen Personal irrationale Ängste; sie könnten nur durch Information und Aufklärung als solche erkannt und abgebaut werden. Wissen ist die stärkste Waffe gegen die Ausbreitung von HIV/Aids. Über die Schutzmaßnahmen informiertes Pflegepersonal wird sich adäquat vor einer Infektion mit HIV bewahren können." A. T.


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