Standpunkt

SPÖ ohne Zukunft

Politik | aus FALTER 03/08 vom 16.01.2008

Was sagt es über den intellektuellen Zustand einer Partei aus, wenn sie einen traditionsreichen Thinktank sang- und klanglos zusperrt? Vergangene Woche schockierte die SPÖ mit der Meldung, dass sie ihre "Zukunftswerkstätte" in der Schönlaterngasse im ersten Wiener Bezirk aufgibt. Lapidare Begründung: Die Partei muss sparen. Aufgaben und Personal übernimmt das Renner-Institut, die Parteiakademie der SPÖ. Nun kann man über die Attraktivität des Veranstaltungsorts - ein fensterloses Kellerlokal, wie es vor zwanzig Jahren zur Gründungszeit modern war - streiten. Auch die Werkstattpapiere waren schon mal spritziger. Aber Nachdenkprozesse im Umfeld von Parteien sind in Zeiten von Internet weder orts- noch papiergebunden, wie die ÖVP mit ihrem Perspektivenprozess seit über einem Jahr demonstriert. Deren Ergebnisse sind zwar dürftig, aber immerhin zeigen die Konservativen damit ihren Willen zum öffentlichen Diskurs. Keine Partei, schon gar nicht eine Kanzlerpartei, die automatisch Gefahr läuft, es sich an der Macht auch im Denken bequemer einzurichten, kann es sich leisten, bei ihren Ideenlieferanten zu sparen. Noch schlimmer als das stille Aus für die Zukunftswerkstätte ist eigentlich nur die parteiinterne Reaktion darauf. Pflichtbewusstes Bedauern, keine wie auch immer gearteten Proteste - nur Schwamm drüber. B. T.


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