Kritik kurz

Kultur | aus FALTER 03/08 vom 16.01.2008

Freigesprochen Kann nur Schuld auf sich nehmen, wer am Leben bleibt? Ödön von Horváth legt dies in seinem 1937 uraufgeführten Stück "Der jüngste Tag" jedenfalls nahe, wenn seine Hauptfigur, der Bahnhofsvorstand Thomas Hudetz, meint: "Die Hauptsach ist, dass man sich nicht selber verurteilt oder freispricht." Hudetz, den die Stimmen aus dem Jenseits zum Freitod überreden wollen, übernimmt am Ende die Verantwortung für seinen größten Fehler: Von Anna, einem jungen Fräulein aus dem Dorf, geküsst, ließ er einen Eilzug ohne Signal passieren. Ein Fehler, der 18 Menschen das Leben kostete. Wo Horváth das Zugunglück zum Anlass für einen Erkenntnisprozess des Einzelnen - und das heißt bei Horváth natürlich: des Kleinbürgers - nimmt, konzentriert sich Peter Payer in seiner Verfilmung "Freigesprochen" auf das Trauma zweier Menschen, die das Unglück obsessiv aneinanderkettet. Während Hudetz (Frank Giering) vom Geist seines getöteten Freunds (Alfred Dorfer) verfolgt wird und


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