Fragen Sie Frau Andrea

Nippel und Lasche

Stadtleben | aus FALTER 03/08 vom 16.01.2008

Liebe Frau Andrea,

exzessive Frühstücksorgien veranlassen mich, in durchsichtige Kunststofffolien verpackte Teile von Vierbeinern zu mir zu nehmen. Einige dieser Verpackungen sind so konzipiert, dass man die ganze Plastikfolie abziehen muss, um zum ersten Wurstradl zu gelangen. Wären die Wurstteile andersrum eingereiht, käme man zum Ziel, ohne die ganze Verpackung ruinieren zu müssen. Welcher Sinn mag in dieser Verpackungsphilosophie liegen? Apropos Verpackungen: Hat eigentlich schon irgendwer den Erfinder der CD/DVD-Hüllen-Verschweißungen auf irgendeinem Baum aufgeknüpft?

Josef Schneider, Graz, per Elektrobrief

Lieber Josef,

die Plastikverpackungsideologie huldigt dem Gott des unversehrten Glanzes. Wurst und Käse liegen genussbereit vor unseren Augen, getrennt nur durch die Schneewitchenfolie der Verderblichkeit. Einmal geöffnet, ist es nämlich vorbei mit Glanz und Gloria. Einmal geöffnet, wollen das aufgelegte Wurstrad, die drapierte Käsescheibe rasch verzehrt werden. Trockenheit und Wärme machen ihnen nämlich schnell den Garaus. Käse vertrocknet zu fahlgelbem Hartgummi und Wurst zu ledrigen Scheiben. Das Ziel der Nahrungsmittelkapitalisten ist der steigende Umsatz. Um den sicherzustellen, werden Lebensmittel präsentabel und mundgerecht verpackt. Perfiderweise in Folien, die sich nie wieder schließen lassen. Das Credo: Ein gutes Lebensmittel vertrocknet zuhause und nicht im Regal. Zu unserem anderen Problem: Gegen die Erfinder von CD/DVD-Hüllen läuft ein Auslieferungsantrag des Salzamtes wegen Verstoßes gegen das Menschenrecht auf unversehrte Fingernägel und intakte Nervenkostüme.


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