Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 04/08 vom 23.01.2008

Der deutsche Kunstwissenschaftler Peter Funken sprach mit dem österreichischen Schriftsteller Oswald Wiener über künstliche Intelligenz und darüber, was Wiener dabei an Mathematik und Dichtung interessiert. Mathematik interessiere ihn nicht als Mathematik, sagte Wiener, "sondern wirklich nur, weil Mathematik ein besonders klares, ein besonderes Beispiel für menschliches Denken, für menschliche Intelligenz ist und weil selbstverständlich auch Dinge, mit denen ich mich beschäftige, selbst auch mathematische Formulierungen gefunden haben und auch in Zukunft verstärkt finden werden. Also ich habe eine Stärke auf mathematischem Gebiet, das ist die Automatentheorie, und ich verstehe sehr wenig von anderen Gebieten der Mathematik. Ich bin auch interessiert an Geometrie, aber da eher auf elementarem Niveau.

Dichter bin ich deswegen, weil ich es für wichtig halte, klarzustellen, welche Bereiche des menschlichen Denkens heute in überzeugender Weise erklärt werden können und welche nicht. Als Dichter suche ich das heute noch nicht Erklärbare, aber nicht weil ich meine oder hoffe, dass hier Geheimnisse aufgehoben bleiben werden, dass man sich sozusagen in einem verletzten Selbstbewusstsein als intelligentes Wesen dorthin flüchten könnte, sondern ich denke, dass dieses noch nicht Verstandene, noch nicht präzise Beschreibbare eine Herausforderung ist, die man eben nicht nur mit wissenschaftlichen Methoden angehen kann, weil für mich Dichtung und Kunst eine Art Vorläufertum wissenschaftlicher Überlegung ist."

A. T.


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