Standpunkt

Schwuchteldrucker

Politik | aus FALTER 04/08 vom 23.01.2008

Dimitrij Grieb nannte Gery Keszler eine "Berufsschwuchtel". Das wäre noch kein Politikum. Doch Grieb ist der persönliche Mitarbeiter des freiheitlichen EU-Abgeordneten Andreas Mölzer. In dessen rechter Wochenpostille Zur Zeit hetzte er gegen "Schwuletten", die "ständig versuchen, uns mit ihren politischen Anliegen - dank Aids - zu penetrieren". Keszler ist als Organisator der Aids-Charity-Veranstaltung Life Ball engagiert und international angesehen. Er hat Grieb nichts getan, ihn nicht beleidigt. Keszler ist nur schwul und engagiert. Das kann Grieb nicht ertragen. Keszler wollte sich aber nicht beleidigen lassen. Deshalb klagte er - und erlebt nun die nächste Demütigung. Keszler, so das Gericht, müsse sich als Mensch, der "massiv in der Öffentlichkeit" steht, "öffentliche Kritik" gefallen und sich als "Berufsschwuchtel" bezeichnen lassen. Was sagt so ein (nicht rechtskräftiges) Urteil aus? Die Justiz hat den Wert und die Grenzen politischer Debatten schon wieder nicht verstanden. Denn Grieb ging es nicht um "öffentliche Kritik" am Verhalten Keszlers. Er verspottete ihn wegen seiner sexuellen Orientierung und traf damit eine ganze Bevölkerungsgruppe. Solche Attacken aus der rechten Ecke sind nichts Neues. Bemerkenswert ist aber, dass eine Richterin den Unterschied zwischen persönlicher Beleidigung und Kritik nicht sehen will. So wird die Würde Homosexueller auch mit staatlichen Füßen getreten. C. W.


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