Beichten in der Bar

Kultur | Christian Witt-Dörring | aus FALTER 04/08 vom 23.01.2008

ANGEWANDTE KUNST Das Mak erzählt die Geschichte der Gebrauchsgegenstände.

Für das Museum angewandter Kunst (Mak) schwebt mir eine Ausstellung vor, die der Sprache der Dinge gewidmet wird. So wie sich die echte Sprache stetig dem wechselnden kulturellen Kontext anpasst und die Wörter mit neuen Bedeutungen füllt, ohne dass sich ihre formalen Einzelelemente verändern, so verhält es sich auch mit Gebrauchsgegenständen. Die glatte Oberfläche eines Biedermeiermöbels ist für den Kulturhistoriker der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Ausdruck des handwerklichen Unvermögens. Der Designer oder Kulturkritiker um 1900 hingegen erblickt in der einfachen glatten Oberfläche die Empfindsamkeit des Handwerkers für die Materialstruktur. Kritisiert die Generation um 1870 die Konstruktion der Bugholzmöbel ihrer Transparenz wegen, so wird Le Corbusier sie gerade deswegen rühmen. Der Gegenstand bleibt gleich, unsere Perspektive ändert sich.

Diese unterschiedlichen Blickwinkel sollen chronologisch


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