Buch der Stunde

Im Museum

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 04/08 vom 23.01.2008

Anfang 1938 betrat der Maler Han van Meegeren das Rotterdamer Boymans-Museum, um dessen sensationelle Neuerwerbung zu besichtigen - ein bis dahin unbekanntes Bild Jan Vermeers. "Es ist eine Fälschung", rief er in die erstaunte Menschenmenge. Pinselführung und Komposition seien von mangelhafter Qualität. Meegeren musste es wissen, hatte er das Bild, das er kurz zuvor um 5,2 Millionen Gulden an das Museum verkauft hatte, doch selber gemalt. In seinem Roman "Das Doppelleben des Vermeer" rekonstruiert der italienische Schriftsteller Luigi Guarnieri die Geschichte dieses berühmten Betrugs. Der Ausschnitt des Museumsbesuches fand in eine Auswahl des deutschen Kunsthistorikers Walter Grasskamp Eingang. Er kommentiert die nach Schlagworten geordneten Texte aus "Sonderbare Museumsbesuche" und vergleicht etwa van Meegeren mit Bernard Tuft, dem paradigmatischen Fälscher aus Patricia Highsmiths "Ripley Under Ground": Beide sind frustrierte Künstler, die mit Fälschungen die Kunstexperten übertölpeln.


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