Ohren auf

Wah-Wahnsinn

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 04/08 vom 23.01.2008

Als "On the Corner" im Herbst 1972 erschien, gehörte es zumindest für einige Zeit zu den bestgehassten Platten der Jazzgeschichte. "Ist es tatsächlich Magie oder bloß wiederholungsselige Langeweile?", fragte sich der Kritiker des meinungsführenden Jazzmagazins Downbeat, ätzte über "Tschunka-Tschunka-Rhythmen" und die "simplen Melodielinien, die alle ziemlich gleich klingen", und bewertete das Album mit zwei von fünf möglichen Sternen. Selbst Hörer, die "In a Silent Way" oder "Bitches Brew" als visionäre Werke erkannt hatten, waren vor den Kopf gestoßen. Einem Fan, der beteuerte, Miles Davis nicht mehr folgen zu können, antwortete dieser: "Und was soll ich jetzt machen, muthafucka? Warten, bis du doch noch vorbeikommst?!"

Es ist leicht, es heute besser zu wissen, und nicht alles, was auf sechs CDs und in über sechs Stunden an Veröffentlichtem und Unveröffentlichtem auf "The Complete on the Corner Sessions" (Columbia/Sony) versammelt ist, darf gleichermaßen als genial gelten.


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