Fragen Sie Frau Andrea

Panierte Körbe

Stadtleben | aus FALTER 04/08 vom 23.01.2008

Liebe Frau Andrea,

im letzten "Falter" startete hier über Ihnen eine neue Fotoserie, in der es offensichtlich um Menschen und deren Kleidung geht. "In der Panier" nennt sich diese Serie. Bisher brachte ich Panier eher mit dem Wiener Schnitzel in Verbindung. Woher kommt dieser Ausdruck? Und woher die Panier?

Mit gebackenen Grüßen,

David Messinger, Wien-Ottakring,

per Elektrobrief

Lieber David,

das Wienerische hat die Gabe, komplizierte Sachverhalte einfach zu machen und einfache kompliziert. Es bedient sich dabei einer Fantastilliarde fremdländischer Ausdrücke, die es über die Kaskaden der Wienerzungen perlen lässt, und, sobald sie versickert sind, als funkelnde Fontänen wieder ausspeit. Sie zerstieben im dichten Nebel der Alltagssprache, kondensieren in Wörterbüchern und tropfen irgendwann als Rinnsal in den Gully des Vergessens. Die Panier ist so ein Wort. Sie bezeichnet den Anzug, die "Schoin", die Uniform. Der Ausdruck zeichnet das Bild einer in Bröselteig gebackenen Kalbfleischschnitte, das wohlfeil panierte Schnitzel. Dessen Kruste heißt küchentechnisch Panade. Das Panieren - außerhalb von Küchen kann damit von der Ohrfeige bis zum Ländermatch jede Form der Gegnerdemütigung bezeichnet werden - kommt vom französischen paner, mit Brotbröseln bestreuen, einer Ableitung von pain, Brot. Die Schneiderkunst kennt "das Panier" aus der Zeit der Reifröcke, damit wurden die weit ausladenenden Konstruktionen jener Superhüften bezeichnet, wie wir sie von Marie Antoinette und ihren Freundinnen kennen. Die Form erinnerte an die damals auf Märkten verwendeten Hühnerkörbe, daher der Name Panier - französisch für Korb.


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