Ohren auf

Coverkunst

Gerhard Stöger | Kultur | aus FALTER 05/08 vom 30.01.2008

Coverversionen sind eine interessante, aber nicht ungefährliche Kunstform. Sie können Autobiografisches in fremden Worten erzählen, Altes neu glänzen lassen oder Wasser gar in Wein verwandeln; sie können aber auch zu Dokumenten der Anbiederung, des Kalküls und der kreativen Armut verkommen.

Chan Marshall alias Cat Power, die große Leidensfrau des amerikanischen Independent-Pop, hat ihre außergewöhnlichen Cover-Qualitäten bereits mit "The Covers Record" bewiesen. Teils sehr bekanntes Material wurde da radikal umgedeutet und bis aufs Skelett abgenagt, die freigelegten Knochen klapperten schaurig-schön vor sich hin. Ihre zweite Cover-Platte "Jukebox" (Matador/Edel) behält diese Radikalität im Zugang bei. Die Originale werden in ihre Einzelteile zerlegt und anders wieder zusammengesetzt; Marshall eignet sich die Songs also nicht einfach nur an, sondern verwandelt sie in etwas anderes, Neues. Man höre nur, wie sie Frank Sinatras Bombastschnulze "New York, New York" zur intensiven

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