City-Lights und Gamsbartdeppen

Stadtleben | Michael Ziegelwagner | aus FALTER 05/08 vom 30.01.2008

STADTOBJEKT Manche Stadtmöbel verschwinden aus dem Bewusstsein und sterben langsam aus. Zum Beispiel: die Litfaßsäule.

Das scharfe "s" führt in der neuen deutschen Rechtschreibung ein eher untergeordnetes Dasein. Dennoch: die "Litfass-Säule", von der manchmal als Ausdruck übertriebenen orthografischen Gehorsams zu lesen ist - die gibt es nicht. Auch wenn sie äußerlich vielleicht an ein Fass erinnert. Aber Litfaß ist kein reformierbares Wort. Litfaß ist ein Eigenname, und Herr Litfaß erfand im Jahr 1855 die nach ihm benannte Säule.

Dieser Herr, Vorname Ernst, ärgerte sich damals angeblich über ein Berliner Phänomen, das man heute "Wildplakatieren" nennen würde, und entwickelte eine "Annonciersäule", auf der Ankündigungen, Reklame und Klebezettel jeder Art ein geordnetes Dasein führen konnten. Die neue Werbeform setzte sich schnell in ganz Europa durch, bald standen Litfaßsäulen in Hamburg, Prag, London, Paris - und Wien.

Die Ersten, die sich der Litfaßsäule als Werbeträger


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