hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 06/08 vom 06.02.2008

Kultur des Hinsehens!

Im Bereich der Jugendkriminalität hinkt Graz international hinterher. Man muss es so deutlich aussprechen: Während es in vergleichbaren Städten wie München längst Usus ist, dass auch Rentner auf offener Straße und am helllichten Tag verprügelt werden, muss man dergleichen hierzulande mit der Lupe suchen. Populisten sind schnell bei der Hand mit der Antwort, die jungen Migranten seien schuld, weil sie sich, anstatt in Gangs mit Springermessern durch die Straßen zu ziehen, darauf beschränken, anatolische Technobeats laut auf ihren Handys abzuspielen. Doch so leicht sollte man es sich nicht machen, zeigt doch die Statistik: Auch die "einheimische" Bevölkerung zeigt erschreckend wenig offene Gewaltbereitschaft, die jungen Eliten und Leistungsträger, die schlägernd und randalierend Vorbild sein könnten für Zugewanderte, scheinen in tiefer Lethargie versunken. Gerade den Nazis, über lange Zeit etwa in der Ost- und Obersteiermark Garant für Gefahr für Leib und Leben, ist hier ein Vorwurf zu machen. Wahrlich, wir sind satt geworden. Die Gründe mögen vielfältig sein, die Auswirkungen im internationalen Standortwettbewerb aber fatal. Jeder Einzelne ist hier gefordert, seinen Beitrag zu leisten: Eine eingeschlagene Fensterscheibe hier, eine Attacke auf einen wehrlosen Mitbürger dort, die Möglichkeiten sind vielfältig. Nutzen wir sie gemeinsam. Wir sind Graz.


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