Der letzte NS-Prozess

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 06/08 vom 06.02.2008

SEINESGLEICHEN GESCHIEHT Der Fall Wallisch beschwört Geister einer Vergangenheit, die sich nicht endgültig bannen lässt

Die Verbrechen des NS-Regimes "lassen sich, scheint mir, juristisch nicht mehr fassen, und das macht gerade ihre Ungeheuerlichkeit aus". Das schrieb Hannah Arendt in einem Brief an ihren Philosophenkollegen Karl Jaspers. Gerade erleben wir wieder ein Beispiel solcher juristischer Unfassbarkeit. Liest man den Fall der Erna Wallisch (Seite 8) und die nun aufgetauchten Dokumente dazu, wird man mindestens zwei Ebenen nicht fassen können. Einerseits ist es undenkbar, dass eine Aufseherin im Konzentrationslager Majdanek sich nicht in Schuld verstrickt hat. Andererseits ist es unfassbar, dass die österreichische Justiz immer wieder die Gelegenheit verstreichen ließ, ihr den Prozess zu machen.

Erst jetzt, da die Angeklagte uralt ist, ebenso wie die Zeugen, deren Glaubwürdigkeit eine Verteidigung leicht in Zweifel ziehen wird können, soll es noch einmal zu einer Anklage kommen.


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