Standpunkt

Im Krieg

Politik | aus FALTER 06/08 vom 06.02.2008

Stell dir vor, es ist Krieg - und "unsere Kameraden" sitzen in einem Luxushotel in der Hauptstadt des Tschad fest, weil draußen geschossen wird. Dann holt sie die Krone aus dem "Afrika-Abenteuer" wieder raus. Österreichs Öffentlichkeit bemerkt offenbar erst jetzt, dass SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Darabos mit der Zustimmung der ÖVP heimische Soldaten in ein Kriegsgebiet geschickt hat. Sie sollen dort nicht als Blümchenpflücker dienen, sondern als bewaffnete Kämpfer der Eufor Hunderttausende Flüchtlinge beschützen - und zwar vor bewaffneten Rebellen, die auch auf "uns Österreicher" schießen würden. Das war eine politische Entscheidung. Sie folgte europäischen Verpflichtungen und humanitären Grundsätzen, über die man trefflich streiten kann. Es gibt gute Gründe dafür, dass Österreich solidarisch die europäische Sicherheitspolitik auch militärisch unterstützt. Es gibt aber auch Argumente dagegen. Unser Heer ist ja vorrangig dazu da, die Alpenrepublik zu bewachen und sonst nichts. Doch wo beginnen unsere Sicherheitsinteressen? Die Deutschen etwa sagen längst: am Hindukusch und schicken Truppen nach Afghanistan. Österreich sagt: Europa hilft afrikanischen Flüchtlingen, und wir sind dabei. Ein hehres Ziel. Doch es kann auch Leben kosten. Diese Botschaft muss Darabos nun der Krone schmackhaft machen. Das wird ihm aber nie gelingen. F. K.


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