Wege des Gases

Go West!

Politik | aus FALTER 06/08 vom 06.02.2008

Der Weg eines Kubikzentimeters Gas, der in einer Wiener Therme verheizt wird, beginnt in der Nähe der westsibirischen Stadt Nowy Urengoi, wo ein riesiges Gasfeld liegt. Unter schwierigen Bedingungen und Temperaturen von bis zu minus fünfzig Grad wird das Gas aus dem Boden geholt, der bis in die Tiefe von 400 Metern gefroren ist. Danach wandert es etwa sechs Tage lang - mit einer Geschwindigkeit von rund 15 Stundenkilometern - durch Pipelines in den Westen. Es durchquert Russland, die Ukraine und die Slowakei, bis es schließlich im niederösterreichischen Baumgarten ankommt. Hier wird es gezählt, gereinigt, dekomprimiert, gekühlt und in kleinere Rohre eingespeist. Mit deutlich geringerem Druck wandert das Gas weiter nach Wien und wird an der Stadtgrenze von der OMV an die jeweilige Landesgesellschaft übergeben, im Fall Wiens an die Wien Energie Gasnetz GmbH, die es in die verschiedenen Stadtteile weiterleitet. Bei den einzelnen Häusern ist der Druck bereits so gering, dass es sich in dünnen, biegsamen Plastikrohren leiten lässt. Auf diesem Weg gelangt es in die Wohnungen, wird in der Therme entzündet, verbrennt und erzeugt so Wärme. Wie viel Gas ein Haushalt verbraucht, misst der jeweilige Gaszähler - nach demselben Prinzip werden in Baumgarten jene Milliarden Kubikmeter Gas abgerechnet, die monatlich aus Russland eintreffen. Der Gaspreis ist an den Ölpreis gekoppelt und beträgt derzeit in Westeuropa etwa 330 Dollar pro tausend Kubikmeter. In den Neunzigerjahren waren es noch hundert Dollar weniger. Der gestiegene Gaspreis ist einer der Gründe für die derzeit hohe Inflationsrate in Österreich.


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