Die Weisheit des Fleisches

Gerhard Midding | Kultur | aus FALTER 06/08 vom 06.02.2008

FILM Obsessiv wie Buñuel: Das Filmmuseum zeigt eine Retrospektive des im Westen wenig bekannten japanischen Regisseurs Yasuzô Masumura. Er ist ein Filmemacher der Impulse. In seinem Werk hat er ein staunenswert umfassendes Kompendium der Obsessionen und sexuellen Abweichungen angelegt. Die Maßlosigkeit der Leidenschaften, ihre grenzüberschreitende Kraft fasziniert ihn. Ihren sittlichen Wert bemisst er an ihrer Ursprünglichkeit und Aufrichtigkeit. Den Skandal hat er überlegt gesucht, die Tabus mit Bedacht gebrochen. Stets hat er dabei eine Ambivalenz entdeckt: Sklave eines heftigen Gefühls zu sein, verleiht seinen Figuren zugleich die Freiheit, sich aus den moralischen Verschnürungen ihrer Zeit zu lösen. Die Unterströmungen einer repressiven Gesellschaft legt er in Bildern von mitunter drastischer Immanenz frei. Seiner Inszenierung eignet ein so müheloser Zugriff zum Essenziellen, dass sie der Zuspitzung eigentlich gar nicht mehr bedarf.

Wer einen Blick auf das Monatsprogramm des

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