Kritik kurz

Kultur | aus FALTER 06/08 vom 06.02.2008

My Blueberry Nights Wer wird denn gleich hämisch sein? Die giftigen Reaktionen enttäuschter Fans, die auf Wong Kar-wais erste US-Produktion niederprasseln, sind begründet, aber nicht immer berechtigt. War der schwelgerische Stil (verwischte Zeitlupen, fetischistische Detailaufnahmen, dekorativ vollgestopfte Kader) des Hongkonger Vorzeige-Auteurs nicht seit jeher nahe am gefälligen Manierismus gebaut? Zeichnete sich nicht spätestens mit Wongs Herzensprojekt "2046" ein Rückzug in erlesene Innenwelten ab, der seinen todtraurigen Liebesgeschichten den dringend benötigten Realismussauerstoff abschnitt?

Die Hauptrolle in "My Blueberry Nights" spielt Chanteuse Norah Jones, und in gewissem Sinne ist es der perfekte Norah-Jones-Film geworden: liebliche Faserschmeichler-Americana zum Abspannen. Die Optik (statt Christopher Doyle fotografierte diesmal Darius Khondji) ist Wong-Standardrepertoire, die Dialoge klingen mehr nach "Gilmore Girls": Es liegt nicht am Heidelbeerkuchen, dass ihn keiner


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