Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 07/08 vom 13.02.2008

"Harakiri mit Kramuri", das ist doch ein hübscher Titel. Vor 20 Jahren stand er über einer Rezension, die Herbert Hrachovec über eine Ausstellung verfasste. Wo sie stattfand, war dem Artikel nicht zu entnehmen, es war, wie ich im Programm herausfand, der Heiligenkreuzerhof der (damals noch) Hochschule für angewandte Kunst.

Hrachovec schrieb: " Der, kulturelle Ausverkauf', den die Konservativen experimentellen Künstlern seit Generationen vorwerfen, ist in deren Augen ein lohnendes Unterfangen. Beschimpfung und Lob sind in der Sache eng verbunden, wie Qualitätsverlust und Okkasion im Winterschlussverkauf. Die von Oswald Oberhuber konzipierte Ausstellung, Zeitgeist wider den Zeitgeist' ist beides, eine kontroverse ästhetische Intervention und eine Überschwemmung von Kunden mit billigem Ramsch.

Die Kundschaft besteht aus Staatsbürgern, die zur 50-jährigen Wiederkehr des Anschlusses Dinge sehen wollen, die zur kritischen Besinnung helfen. Eine Gruppe, die nicht damit zufrieden ist, dass jedes Jahr im Künstlerhaus ein anderes schöngeistiges Thema abgestaubt wird und in den letzten Schrei ausbricht. Die Aufgabe ist fast nicht zu bewältigen.

Wie kann ein solches Interesse angesprochen werden, ohne dabei zu enden, dass ein diffuses Schuldbewusstsein durch Betrachtung des Ausgestellten zur Läuterung geführt wird? Hier setzt Oberhuber seinen Vorsprung gegenüber Hollein und Hofmann ein, er ist - Avantgardist. Seine Schau ist ein Wechselbad, ein Auftauchen des Künstlers in der Politik, unmittelbar gefolgt vom Untertauchen in einem Schwall unorganisierter Alltäglichkeiten, die zufällig vor ca. 50 Jahren aktuell waren. Gegen den Ausstellungsgroßhandel stellt er Gegenstände aus, vor denen ihm graust. Der Plan gelingt, erholsamer Ruhepunkte beraubt, flüchtet der Besucher, bei weitem nicht zufrieden …" A. T.


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