Standpunkt

Pilz.at

Politik, FALTER 07/08 vom 13.02.2008

Peter Pilz kann cholerisch sein, er übertreibt gerne und spitzt oft gnadenlos zu. Er treibt Parteifreunde mit seiner Art an die Decke. Doch wie kein anderer zeigt er dieser Tage einmal mehr vor, was Oppositionsarbeit leisten kann. Es ist Pilz nicht nur zu danken, dass Herwig Haidinger vor dem Innenausschuss auspackte (die SPÖ versuchte den Auftritt zunächst zu verhindern), der "grüne Aufdecker" sorgte auch dafür, dass Haidingers Aktenvermerke öffentlich wurden. Pilz bediente sich dabei Methoden, die in skandinavischen Ländern längst Alltag sind: Er bloggt und stellt so Transparenz her, wo vertuscht wird. Seltsamerweise macht ihm kein Politiker diesen Job streitig. Anders als seine Politikerkollegen ( www.karlheinzgrasser.at ist derzeit übrigens "under construction") setzt er seine Seite multifunktionell ein - nicht nur zur Selbstdarstellung. Man kann bei www.peterpilz.at Akten herunterladen, Analysen und Kommentare von Pilz lesen und selbst posten. Pilz zeigt damit dem unterentwickelten investigativen Journalismus in Österreich, dass er für das Enthüllen von Skandalen eigentlich gar keine Medien mehr braucht. Er hat sein eigenes Forum, von dem Massenmedien abschreiben und zu dem sie verlinken. Der Politiker wird solcherart zum Informanten und Journalisten in Personalunion. Die Quelle wird zum Medium. Der unabhängige Journalismus als Prüfinstanz bleibt dabei allerdings draußen. F. K.

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FALTER 29/19
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