Mütter als Täterinnen

Politik | Elissa Mailänder Koslov | aus FALTER 07/08 vom 13.02.2008

GASTKOMMENTAR Wieso aus gewöhnlichen Frauen brutale Aufseherinnen wurden.

Die alten Fragen, die der Fall Erna Wallisch aufwirft, sind noch immer aktuell: Wie war es möglich, dass Millionen Menschen im NS-Lagersystem gequält und ertränkt, erschlagen und vergast wurden? Wie konnten Männer und vor allem Frauen zu Mördern werden?

Nach der in Gefängnissen üblichen strikten Geschlechtertrennung wurden in den NS-Konzentrationslagern zur Bewachung der weiblichen Gefangenen deutsche und österreichische Frauen eingesetzt. Dieses "weibliche Gefolge der Waffen-SS", so die NS-Terminologie, hatte innerhalb der SS eine Sonderstellung. Einerseits waren die Aufseherinnen wie die SS-Männer Reichsangestellte und unterstanden somit der SS-Gerichtsbarkeit, andererseits waren sie aber keine vollwertigen SS-Mitglieder. Die SS suchte dafür Frauen zwischen 21 und 45 Jahren "ohne berufliche Kenntnisse" (Bewerbungsformular). Auch Erna Wallisch gehörte damals zu dieser aus kleinbürgerlichen und proletarischen


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