Fragen Sie Frau Andrea

Bude ohne Sturm

Stadtleben | aus FALTER 07/08 vom 13.02.2008

Liebe Frau Andrea,

den letzten Orkan zum Anlass nehmend habe ich folgende Frage: Woher kommt der Begriff "sturmfreie Bude"? Aus heutiger Sicht würde mir plausibel erscheinen: ein rundum stromversorgtes Wohnzimmer mit festem Dach über dem Kopf. Oder versteht man darunter (studentischerweise) etwas ganz anderes?

Mit verwehten und verwirrten Grüßen,

Petra Kienel, per Elektrobrief

Liebe Petra,

die sturmfreie Bude hat eine lange, aber überaus windige Geschichte auf den Brettern. Zuletzt war unter sturmfreier Bude eine temporär von den Eltern verlassene Wohnung gemeint. In meiner Hippie-Jugend war so was ein sofortiger Anlass für eine ausschweifende Party und die Gelegenheit zum Austausch von Körpersäften und verbotenen Substanzen. Das Wort Bude geht auf das mittelhochdeutsche buode zurück, das noch im Wort (Ge-)Bäude steckt. Im Englischen erinnert booth - für Marktbude, Telefonzelle oder Wahlkabine - an den schlichten Charakter der Bretterbude. In der Neuzeit wurde der Begriff von Studenten auf ihre engen Versammlungssorte, die Kneipen, aber auch auf ihre billigen Zimmer übertragen. Die Sturmfreiheit einer Bude bezieht sich nicht auf die meteorologische Situation, sondern kommt aus dem Festungsbau. Mit sturmfrei bezeichneten Burgenbaumeister jenen Teil eines Bollwerks, der wegen seiner Höhe nicht mehr mit Festungsleitern gestürmt werden konnte. Sehr wahrscheinlich ist der Ausdruck während der Märzrevolutionen 1848 aus dem Militärjargon in den der Couleurstudenten und von dort in die Lingo der Gymnasiasten übergesprungen.


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