Die Freiheit, die sie meinten

Politik | Stefan Apfl | aus FALTER 08/08 vom 20.02.2008

REPORTAGE Mit der Unabhängigkeit des Kosovos soll die Leidensgeschichte eines Volkes enden. Blerim Gjoci hat 35 Jahre mitgelitten. Nun träumt er von einem besseren Leben. Ein Besuch in Prishtina.

Ein alter Mann steht zitternd am Straßenrand und weint. Neben ihm tanzen Menschen in der Kälte, sie reißen die Arme in die Luft und singen. Ein Fremder kommt vorbei und klopft dem alten Mann auf die Schulter. Sie fallen einander in die Arme, lachen, weinen oder beides zugleich. Wohin man auch sieht, wehen Flaggen, spielen sich unter dem bunten, grellen Licht von Feuerwerkskörpern ergreifende Szenen ab.

Es ist Sonntag, der 17. Februar 2008, in Prishtina. Vor wenigen Stunden hat das kosovarische Parlament die Abspaltung von Serbien und damit die eigene Unabhängigkeit ausgerufen.

Drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt haben sich zu dieser Zeit acht Menschen in einer Wohnung versammelt. Von draußen dringt die schrille Kakophonie des Glücks herein. Auch sie feiern diesen Tag, aber im Stillen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige