Stadtrand

Tote Palme

Stadtleben | aus FALTER 08/08 vom 20.02.2008

Ein belangloser Film erklärt uns derzeit, dass so manch überschätzter Austrostar erst nach seinem Tod richtig berühmt wird. Die Leidenschaft fürs Posthume gilt ja gemeinhin als österreichisches Charakteristikum, und man könnte fast sagen, dass alleine das Sterben hierzulande schon eine gewisse Berühmtheit rechtfertigt. Wer das nicht glaubt, der möge ins Palmenhaus des Schlosses Schönbrunn schauen: Dort ist eine nach Österreichs vorletzter Kaiserin benannte Palme zu groß geworden. Bisher völlig unbekannt, erfreut sie sich jetzt, nach ihrer Abholzung, plötzlich irrsinniger und medial massiv geförderter Berühmtheit. "Die Stunden der Sisi-Palme sind gezählt", berichtet der ORF pathetisch, die "Krone" schreibt von trauernden Kondolenzgästen - "schweren Herzens". Gipfel der Bizarrerie: Die Trümmer des Baums sollen laut Bundesgärten versteigert werden. In so manchem Haushalt muss also der Stein von der Berliner Mauer bald dem Stück Holz von der Sisi-Palme weichen. Und wie reagiert das zum Trauern angehaltene Volk? "Man sollte die Gstaude häckseln", schrieb ein ORF-On-Poster. Ein anderer: "Am besten verheizen." Auch so können Worte der Vernunft klingen. J. G.


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