Phettbergs Predigtdienst

König & König

Stadtleben | aus FALTER 08/08 vom 20.02.2008

Im Anfang steht der Blick. Du neigst dorthin, wo die Sonne scheint, und erblühst. Als ich von der Spontaneität in den Dschungel geleitet wurde, umfing die Kinder eine Welt des Schlafs. Das heimelte an. Der Mond rollte sich in Gestalt einer von Schauspielern leicht über die Bühne gerollten Scheibe. Für Kinder ist es ja immer eine fürchterliche Vorstellung, einen Zustand gegen einen anderen zu vertauschen: Als ich von der Unternalber Volksschule in die Retzer Hauptschule kam und vor Angst schlotterte, kam einer, der war bleich, aber bereits etabliert, und ging in die Schule hinein. Ich schlotterte, er aber war etabliert, ein Jahr älter, aber das wusste ich nicht, er blieb von 1964 bis 68 unerreichbar für mich, ja, er blieb es dann auch in der Handelsschule, immer ein Jahr vor mir, und ich wagte all die fünf Jahre kein einziges Wort mit ihm zu wechseln. Er verließ mich 1968, und ich weiß bis heute nicht seinen Namen. So eingeschüchtert war ich und bin es de facto jetzt genauso. Wir Schwulen sind so konservativ, dass wir nicht einmal das Geschlecht wechseln. Und als ich erfuhr, dass im Museumsquartier-Kindertheater Dschungel ein Stück namens "König und König" gespielt wird, dachte ich sofort an: Ich-AG und Ich-AG. Sie werden sich gerne leiden können und dann Kriege führen, dachte ich. Wogen und neigen, nach Menschenart eben. So wie die Welt umfängt eine Tuchent die Bühne und dient als große Bildgestalt. Eine Königin regiert ihr Reich. Ihr Sohn soll heiraten, sie will nicht mehr regieren, ist müde, und dann werden viele Prinzessinnen gecastet, aber die werden so unleidlich dargestellt, dass du zuerst denkst, ist es vom Vatikan oder von der Reaktion gesponsert. Aber die Regie eines Kindertheaters wird es schon wissen, dachte ich. Doch es kommt anders. Die Königin hat ein Herz und fügt sich dem Wunsch ihres Sohnes. So etwas war noch nie da. Denn Kinder entstehen nur, wenn Frau und Mann zueinanderfinden. Königreiche denken dynastisch. Mann und Mann können keine Kinder kriegen, doch die Menschheit arbeitet daran, damit das endlich auch überwunden ist. Ich sage voraus, dass das in eintausend Jahren gelöst sein wird. Die Metrosexualität, die Uniformität der Bluejeans, 1968 und die sexuelle Revolution waren Wegweiser.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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