Eklig und ermüdend

Kultur | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 09/08 vom 27.02.2008

LITERATUR Jonathan Littells umstrittener Roman "Die Wohlgesinnten" verstört nicht nur durch die Bösartigkeit und Ambivalenz seines Protagonisten, sondern auch durch seinen schieren Umfang - wer hier durch will, lasse alle Hoffnung fahren.

Das ist kein Roman, den man einfach so liest, man durchleidet ihn. Von der ersten Seite an stellt die Lektüre eine hochgradig verstörende Erfahrung dar, und das liegt zunächst am Erzähler und Helden von Jonathan Littells ausschweifendem Naziopus "Die Wohlgesinnten": Dieser Max Aue ist ein unangenehm ambivalenter Charakter und ein eher mäßig zuverlässiger Berichterstatter.

Schon wie er seine Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg beginnt, ist hochgradig fies. "Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist", hebt er weihevoll an. Dass der Leser an dieser Stelle instinktiv zusammenzuckt, ist dem von Littell mit verschlagener Intelligenz ausgestatteten SS-Offizier klar, wie der nächste Satz zeigt: "Wir sind nicht deine Brüder,


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