Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 09/08 vom 27.02.2008

Sex

Drama Ich bin ausgelöscht. Ein Nichts. Haltlos. Wie kam's? Jeder kennt die Magie der Vertrautheit. So wie jene mit meinem ältesten und liebsten besten Freund aus Kindertagen. Seit dreißig Jahren telefonieren wir täglich, wir teilten Wohnungen, Liebes- und Lebenskrisen, unsere Film-, Bücher-, Party- und Personenvorlieben. Politisch im selben Lager - sowieso. Wenn wir was zu streiten hatten, dann nur, wer die Rechnung bezahlen oder wer jetzt bei den gemeinsamen Urlaubsreisen das Auto stellen darf. Liebe und Verständnis, ein Privileg einer echten symbiotischen Freundschaft. Man konnte sich mit der ganzen Welt anlegen, man wusste um die Geborgenheit dieser Verbindung. Bis gestern. "Ich steh ur auf die Exmausi Lugner, die ist so ungeil, dass das geil ist." Sagt der einfach so. Meint das ernst. Und vernichtet mit einem Satz mein Selbstverständnis über seine Wasgeilmachtpunkte. Mausi geht nicht. Ich bin vernichtet. Zu schwach, um zu kämpfen. Ich ruf ihn heut nicht an.

Heidi List

Fussball

Die Sprache des Fußballs (2) Der "Outeinwurf" ist ein Widerspruch in sich, aber wen wundert das bei einem Sport, der auf den merkwürdigen Namen "Fußball" hört? Man muss sich das bitte einmal bildlich vorstellen! Das gleiche Problem haben zwar auch Hand- oder Faustball, im Fußball aber ist es erst der Anfang. Wir werden von klein auf dazu erzogen, Begriffe wie "Eckball", "Pressball" oder "Schnittball" nicht weiter zu hinterfragen, und wahrscheinlich ist das auch gut so. Neben vielem anderen ist der Fußball eben auch eine Schule der Abstraktion: Man lernt, dass man nicht alles so nehmen darf, wie es geschrieben steht. Zum Outeinwurf wäre noch zu sagen, dass er in ein paar Jahren durch einen Einschuss ersetzt werden soll. Fifa-Präsident Joseph Blatter hält es nämlich für "unlogisch", dass Fußballer den Ball in die Hand nehmen. Fußball und Logik? Der Mann hat nichts verstanden.

Wolfgang Kralicek


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