Balkan nach Maß

Stadtleben | Joseph Gepp, Florian Obkircher | aus FALTER 09/08 vom 27.02.2008

UNTERHALTUNG Die Amüsiermeile der Wiener Exjugoslawen liegt an der Ottakringer Straße. Ein paar hundert Meter weiter, in der Ottakringer Brauerei, feiern die Österreicher beim Ost-Festival das, was sie für Osteuropa halten.

Metternich meinte, der Balkan würde am Rennweg beginnen. Aber das ist mehr als 150 Jahre her. In dieser milden Samstagnacht beginnt er auf der Ottakringer Straße - und er ist unübersehbar: Schwarze BMWs halten im Konvoi vor grellbeleuchteten Lokalen mit Namen wie Flash, Labyrinth oder Palazzo. Der Beat lässt die Spiegelfenster der Discos vibrieren. Er hämmert aus Autos und Lokalfoyers, in denen tiefdekolletierte junge Frauen in weißen Hot Pants sitzen. Das Spiel der Kontaktanbahnung arbeitet hier mit betontem Desinteresse. Die Frauen schauen gelangweilt, die Männer finster. Sie tragen ihre engen weißen Hemden bis unter die Brust aufgeknöpft; sie wirken dabei, als würden sie allesamt Millionenverträge abschließen, wenn sie nicht gerade samstagabends ausspannen.


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