Phettbergs Predigtdienst

Soli mit Gusi

Stadtleben | aus FALTER 09/08 vom 27.02.2008

Im Pfarrsaal Hütteldorf wurde ich gewahr, dass Gusenbauer auch von mir verursacht, also gewählt wurde. So also rede ich Ihnen, Duhsub, wie einer kranken Ziege zu: Haltet aus, wir haben die beste Regierungsform. Wir sind ein winziger Landstrich, de facto ein Gebirgszug, der denen da oben immer störrisch war und also ab Freilassing freigegeben wurde, unregierbar. Auch ich neige ins kommunistisch-grüne-libertäre Eck: anarchistisch, christlich, geil. Da die Leute nicht wissen, wo ich stehe, rede ich ihnen verständig zu: Ich stehe links, aber bin ja im 56. Jahr und war noch keine Sekunde liiert. Wir Landgestrichenen können nur von einer Skipiste zur nächsten denken, von einem Tor zum gegnerischen schießen: Gigelgogel. Das Dreieck ist uns unvorstellbar. Wir müssen aber die Balance lernen, der Vollzug jedes Lebens erfordert Balance. Was glauben Sie, was für eine Herausforderung für mich das Leben darstellt? Keine einzige Sekunde liiert, nicht einmal ein Gegenbegehren. Als ich 1982 in Budapest war, hat mich Waltenberger eine Sekunde gegenbegehrend angeblickt, und das Foto ist nun futsch. Ist Palm eifersüchtig und hat es sich genommen? Dieser glückselige Schnappschuss! Der Blick genügt oft, und du weißt: versaut! Dann prägt sich die Kerbe schön aus. Wir wären als Menschheit nie so alt geworden, wenn wir eindimensional wären. Wir sind ein Flohzirkus. Kinderkriegen erfordert fitte Körper, klar, um ficken zu können, musst du attraktiv sein, aber wenn du hässlich und überwuzelt bist wie ich? Nichts wird aufgezeichnet bleiben von der Schwere des Vollzuges. Vollzogen oder nicht vollzogen. Ja, ich habe noch nie den Koitus in meinem Leben vollzogen, und jetzt wird das Tor bald geschlossen werden. Auf keinen Fall zurück zu Schüssel, denn der hat uns schreckliche sieben Jahre mitgebracht. Halten wir Gusenbauer fest, wir kriegen keinen Besseren. Peitschen wir ihn, ja, aber in der Sekunde der Urne haben wir nur eine Stimme, und die Grünen sind fest im Sattel - je schlanker sie bleiben, desto weniger Fett setzen sie an. Nur die Fotografie ist futsch, und genau da hat mich einer ein einziges Mal gegenbegehrend angeblickt. Der Verlust dieses Blickes. Dass auch ich einmal angeblickt worden bin.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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