Studienabbrechern ist nicht zu helfen

Extra | aus FALTER 10/08 vom 05.03.2008

Trotz aller Erfolgsgeschichten von Studienabbrechern: Wenn ein rundes Drittel aller Studierenden in Österreich nicht fertig studiert, ist das ein alarmierendes Zeichen. Franz Kolland, Soziologe an der Universität Wien, untersuchte vor ein paar Jahren mögliche Motive für den Drop-out: "Studienabbrüche sind primär durch Faktoren beeinflusst, die mit der Universität selbst eher wenig zu tun haben." Frühzeitiger Einstieg ins Berufsleben, Studienwechsel, familiäre oder finanzielle Motive - ein Studienabbruch kann viele Ursachen haben. Deshalb ist es auch so schwer, Lösungsvorschläge zu formulieren: "Wo soll man denn intervenieren, wenn es so viele unterschiedliche Gründe für den Abbruch gibt?"

Eine vorbeugende Möglichkeit wären immerhin Zugangsbeschränkungen. Eine 2006 vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (bmwf) in Auftrag gegebene Untersuchung zeigt: Überall dort, wo vor Studienbeginn selektiert wird, sinkt die Drop-out-Quote. Wo hingegen erst nach Studienbeginn gesiebt wird, erhöht sie sich. Ist der Einstieg erst einmal gelungen, beispielsweise bei Medizin, bleiben Studierende meist ihrer Studienwahl treu.

Die WU Wien weist österreichweit die meisten Abbrecher auf. Fast die Hälfte aller angehenden Volkswirte, Betriebswirte, Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftspädagogen schmeißt dort ihr Studium innerhalb des ersten Studienjahres.

Die Universitäten und Fachhochschulen versuchen Drop-out durch Angebote wie abendliche Lehrveranstaltungen oder das elektronisch unterstützte "E-Learning" zu mindern. Auch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) möchte die Drop-out-Rate senken: So genannte "Studienchecker" sollen bereits in der Schule über verschiedene Studienrichtungen aufklären - immerhin gäbe es über 400 verschiedene. Außerdem sei noch eine Studie geplant, die die Gründe fürs Abbrechen aufzeigen soll, "um dann entsprechend zu reagieren".


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